Die Pommersche Zeese Conni FZ 80

Ein Boot als Zeuge anderer Zeiten

Bootstyp - Rundgattzeesboot • Baujahr 1890 • Holzerlandwerft Barth • Zweck Zeesenfischerei Barther Bodden • Länge 11,34 • Breite 3,60 Tiefgang 0,9 m • Segelfläche bis 90 qm • Zeesboot mit Mittelschwert

Besonderheit: Klippersteven - Rundgatt - Kiellegung als reines Segelfahrzeug

Mai 2006 Conni fährt zur "See", das Deck lebt nach den Arbeiten im Winterlager förmlich auf.

Connis Grau ist Geschichte

Der Geruch an Bord vermittelt den Ursprung maritimer Subsistenz. Buchenteer der als Labsal das Boot konserviert tut auch dem Räucheraal gut. Bereits seit der Steinzeit wird mit Teer Holz, geschützt. Steven und Klipperheck sind eine Anlehnung an die schnellen Atlantikklipper und haben den Fischer damals einen Tausender mehr gekostet. Deck und Aufbauten stammen aus den 60er Jahren, als Conni einen Motor erhielt. Rekonstruiert ist der  Ruderstand mit der Pinne. "Klüver" und Bullenmast werden ohne Abstakung gefahren, wie bei den Zeesnern einst üblich. Grau ist die Farbe der Marine, der Fischdiebe und Schmuggler, sie kam als unterste Farbe bei der Sanierung zum Vorschein. Reling oder Wasserschanz hatte das Boot  in den 60er Jahren erhalten, einst aber nicht, da das volle Netz über die Bordwand gehoben werden mußte. Die Ursprungshöhe ist  rekonstruiert. Die Segel sind die ersten Kunststoffsegel die in der DDR gefahren wurden, unter Eckard Rammin. Sie passen nicht ganz genau, haben aber eben ihren Teil an der Geschichte der Zeesboote. Das Wasser unter dem Connirumpf ist von den Menschen seit ewigen Zeiten genutzt worden. Die Rumpfform ist ein genetisches Abbild der Bodden. Leider haben die Menschen die Inselkette Fischland - Darss- Zingst verschmolzen und das spektakuläre Delta der Ostsee verwischt. Zeesboote sind ein Nachhall dieser Nutzungsintensität und machen die maritime Welt spürbar.

Zum Namen "CONNI"

Die kleine Anekdote über den Kreislauf des Geldes an der Küste. Hiddensees Fischer benötigten nach dem Krieg ein neues Boot. Die damals 60 Jahre alte Zeese war vakant. Als Finanzier der stets klammen Fischer trat ihr Wirt ein, Conni (Konrad Witt). Ihm zu Ehren tauften die Fischer das Boot ............

Das Boot als Dokument

Die Herkunft des Bootes ist bekannt: Holzerland Werft Barth. Gebaut um 1890, als spätes Rundgattboot mit Klippersteven und Karweelbeplankung. Gefischt hat mit ihr bis 1945 die Familie Holtfreter aus Stralsund. Ihre Flucht nach Rügen endete für die gesamte Familie auf der Zeese tödlich. Ein SS-Kommando sprengte gerade den Rügendamm und erschoss die segelnden Holtfreters. Über Fischerei auf dem Kubitzer Bodden und als Neuendorfer Kutter auf Hiddensee kam das Boot schließlich nach dem Ende der maritimen Arbeitswelt, in die neue Phase als Traditionsfahrzeug auf den Darss:
CONNIS Rumpf ist originalgetreu, das Deck ist verändert. Das Rigg ist authentisch und die Farbe auch. CONNI ist ein Instrument des Denkens, Malens, Besinnens, Erinnerns, Erlebens, Vor- und Rück- schau. Zeesboote sind Kinder der "feuchten Wiesen", der Bodden, geboren aus der Bootsbaukunst des 19. Jahrhunderts.